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<title type="uniform">Die Geschichte des Nuada Find Femin</title>
<title type="supplementary">German translation</title>
<title type="original" lang="ga">Stair Nuadat Find Femin</title>
<title type="gmd">An electronic edition</title>
<author>Unknown</author>
<editor id="KML">K&auml;te M&uuml;ller-Lisowski</editor>
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<resp>Electronic edition compiled by</resp>
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<funder>University College, Cork</funder>
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<edition n="1">First draft, corrected.</edition>
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<publisher>CELT: Corpus of Electronic Texts: a project of the Department of History, University College, Cork</publisher>
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<addrLine>College Road, Cork, Ireland&mdash;http://www.ucc.ie/celt</addrLine>
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<date>2011</date>
<distributor>CELT online at University College, Cork, Ireland.</distributor>
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<p>Available with prior consent of the CELT project for purposes of academic research and teaching only. The electronic edition was prepared with kind permission of the copyright holder.</p>
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<head>Manuscript source</head>
<bibl n="1">Dublin, TCL, 1298 olim H. 2. 7; s. xiv, transcribed by Whitley Stokes (Catalogue of the Manuscripts of Trinity College, Dublin, compiled by T. K. Abbott (Dublin 1900).</bibl>
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<head>Life and Work of K&auml;te M&uuml;ller-Lisowski</head>
<bibl n="1">See http://www.ucc.ie/celt/muellerlisowski.html.</bibl>
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<head>The edition used in the digital edition</head>
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<editor>K&auml;te M&uuml;ller-Lisowski</editor>
<title level="a">Stair Nuadat Find Femin: Die Geschichte des Nuada Find Femin</title>
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<title level="j">Zeitschrift f&uuml;r Celtische Philologie</title>
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<pubPlace>Halle/Saale</pubPlace>
<publisher>Max Niemeyer</publisher>
<date>1921</date>
<biblScope type="page">195&ndash;250</biblScope>
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<p>CELT: Corpus of Electronic Texts</p>
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<p>The electronic text represents the edited text. Editorial notes and are included. Text supplied by the editor is tagged <emph>sup resp="KML"</emph>.</p>
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<p>Direct speech is tagged <emph>q</emph>.</p>
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<creation>German translation by K&auml;te M&uuml;ller-Lisowski
<date>1921</date></creation>
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<term>saga</term> 
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<head>Die Geschichte des Nuada Find Femin</head>
<opener>Im Namen Gottes dieses Werk.</opener>

<div1 type="section" n="1">
<div2 type="sub-section" n="1">
<p>Ein edler, angesehener K&ouml;nig ergriff die Herrschaft der Provinz Connaught, n&auml;mlich Giallchad, der Sohn des Ailill Eolch&amacr;n, und der K&ouml;nig hatte nur einen Bruder und einen einzigen Sohn. Ailill war auch der Name des Bruders und Nuada der Name des Sohnes. Der Bruder des K&ouml;nigs fiel aber in Irrus Domhnann gegen die neun Coin, die zu den Letzten der Fir Bolg geh&ouml;rten; und auch der Sohn fiel gegen die sieben Duinn aus der Provinz Leinster. Sie alle waren Piraten und Pl&uuml;nderer, und der K&ouml;nig von Irland jener Zeit war E(dh)leme mac Conrach vom Geschlechte Emers (Ebers).</p>
</div2>

<pb n="196"/>

<div2 type="sub-section" n="2">
<p>Was nun Giallchad betrifft, so war er kummervoll und niedergeschlagen nach Verlust seines Sohnes und seines Bruders. Dies war dieses K&ouml;nigs Gattin, n&auml;mlich Eithne, die Tochter des Dare mac Fergusa, des K&ouml;nigs von Ulster. Es geschah nunmehr, da&szlig; jene K&ouml;nigin schwanger ward, und sie gebar einen Sohn, und es wurde ihm Nuada als Name gegeben in Erinnerung an den ersten Sohn.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="3">
<p>Es erhob sich aber ein Krieg und Kampfaufstand zwischen Giallchad und dem K&ouml;nig von Irland, n&auml;mlich Edleme mac Conrach, und eine harte Schlacht ward zwischen ihnen gek&auml;mpft, n&auml;mlich die Schlacht beim Shannon mit dem gr&uuml;nen Gew&auml;sser, und der K&ouml;nig von Irland fiel dort durch Giallchad mac Ailella. Der Stamm von ganz Emer erlitt ein gewaltiges Blutbad, und sie wurden &uuml;ber das Gew&auml;sser der Schlacht geworfen, nach S&uuml;den zu, und nach ihrem Zusammenbruch in der Schlacht &uuml;bernahm Giallchad das Reich von Irland, und die gesamte Macht dar&uuml;ber wurde ihm zugebilligt. Er bekam alsdann seine Tributpf&auml;nder und brachte sie nach Tara. Dort lie&szlig; er sich nieder.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="4">
<p>So stark war nun sein Herrschertum und so gewaltig seine Macht(?), da&szlig; seine Erbfeinde oder Gegner des Oberk&ouml;nigtums es nicht in Irland ertrugen, ohne nach Tara zu 

<pb n="197"/>
kommen, um ihm zu Willen zu sein, n&auml;mlich die sieben Duinn die seinen Sohn get&ouml;tet hatten und die neun Coin, durch die sein Bruder gefallen war. Der K&ouml;nig versprach, sie trotz ihrer gro&szlig;en Schuld nicht zu t&ouml;ten, da sie sich von selbst ergeben h&auml;tten, <q>und sie sollen von mir ehrenhaften Empfang und Unterhalt in meiner Gefolgschaft in Ehren und Ansehen haben</q>. Und dies gefiel ihnen wohl. Und so war es Friede.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="5">
<p>Was nun die Tochter des Ulsterk&ouml;nigs betrifft, die Genossin des K&ouml;nigs, so geschah ihr, da&szlig; sie beschwerlich schwanger wurde, und es kamen dann die Anf&auml;lle der Wehen und heftige Not &uuml;ber die Frau. Sie gebar eine Tochter. Sie wurde Sl&aacute;ine genannt. Die Mutter des M&auml;dchens st&ouml;hnte vor Leiden. Drei Monate nach Geburt der Tochter ereilte sie ihr Tod und tragisches Ende.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="6">
<p>Den K&ouml;nig befiel nun Schmerz um die Genossin derart, da&szlig; er widerstandslos krank wurde. Er gab den Auftrag, ihm seinen einzigen Sohn zu bringen, damit ihm der seinen Kummer bezwang und die Natur aufrichtete. Dieser Sohn ward in Findmagh Femin abgesondert erzogen, so da&szlig; er danach den Beinamen Nuada Find Feimin hat. Ein anderer Name von ihm ist noch Nuada Find F&aacute;il. Alsdann zum K&ouml;nig 

<pb n="198"/>

gebracht, zog ihn der bei sich in einem Bett auf. Davon ward sein Gem&uuml;t erhoben und seine Natur aufgerichtet, so da&szlig; er wieder gesund ward.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="7">
<p>Dann redete man auf den K&ouml;nig ein, da&szlig; er nun eine ihm w&uuml;rdige Frau werbe. Er indes meinte, eine ihm w&uuml;rdige Genossin sei ihm nicht bekannt. <q>Aber mir ist eine bekannt</q>, sprach einer von seinen Leuten, <q>eine dir w&uuml;rdige Frau, n&auml;mlich eine Jungfrau von alles &uuml;bertreffender Gestalt, Form und Anmut, von Beredsamkeit und Redekunst, n&auml;mlich Uane, die sch&ouml;ne, vielseitige, die Tochter von Fergus vom Meer, dem Leinsterk&ouml;nig.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="8">
<p>Nun schickte er auf Werbung aus, und zwar waren es die sieben Duinn, die das unternahmen; denn ihre Schwester hatte das M&auml;dchen erzogen. Und sie warben nun beim K&ouml;nig von Leinster um seine Tochter und erbaten sie als Genossin des Oberk&ouml;nigs von Irland; und er sagte sie ihnen zu, und betreffs der Jungfrau wurden sodann Sicherheiten und Vertr&auml;ge geschlossen. Darauf wurde sie ihnen nach Tara mitgegeben, mit einer F&uuml;lle von Gold und Sch&auml;tzen, und ihre Pflegemutter begleitete sie, n&auml;mlich die Schwester der Duinn. Zum Hochzeitsfest ward ihnen ein Bankett gegeben, und die Dichterkaste von Irland wurde beschenkt.</p>
</div2>

<pb n="199"/>

<div2 type="sub-section" n="9">
<p>Es ward aber das Lager des K&ouml;nigs bereitet, und es ging der K&ouml;nig und die junge K&ouml;nigin und Nuada, sein Sohn, und die Pflegemutter der Frau &hellip;. So waren sie eine lange Zeit. Und der K&ouml;nig und die junge Frau liebten einander, und er hielt sie in Ehre und Ansehen. Und Nuada ging zu der Zeit nicht in das gleiche Bett mit ihnen. Die junge Frau und Nuada hatten ein Alter.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="10">
<p>Nuada wurde einmal neben seinem Vater und ein andres Mal neben der jungen Frau gebettet.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="11">
<p>Das M&auml;dchen wuchs und gedieh, so da&szlig; von den K&ouml;niginnen der Welt kein Weib sch&ouml;ner an Ansehen und Wohlgestalt war als sie. Nuada wuchs und gedieh, so da&szlig; in Irland nicht seinesgleichen war an Gestalt, an Form und Bildung, an Gr&ouml;&szlig;e, an Reitkunst, an Sitte, an Kraft, an Heldenhaftigkeit. Was die Last anbetrifft, die er auf seine Schulter hob, so wurde niemand in Tara gefunden, der zwischen ihr und dem Boden h&auml;tte durchpusten k&ouml;nnen, und mit dem Mittelfinger seiner rechten Faust streckte er jeden Helden.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="12">
<p>Sein Ruhm und Ansehen wuchs alsdann, und dies sagten alle, da&szlig; Nuada der einzige w&auml;re, der seiner Zeit der St&auml;rkste an Kraft in Irland.</p>
</div2>

<pb n="200"/>

<div2 type="sub-section" n="13">
<p>Als nun die Pflegemutter der jungen Frau dies geh&ouml;rt hatte, sprach sie also: <q>Jene Kraft des Nuada wird mir &uuml;bles bringen</q>, so sprach sie, <q>denn er wird meine sieben Br&uuml;der t&ouml;ten von wegen seines Bruders, der durch sie fiel. Und ich werde alsdann aus Kummer um sie sterben.</q> Und sie sann dar&uuml;ber, wie sie seinem Vater Ha&szlig; und starken Abscheu gegen ihn einfl&ouml;&szlig;en k&ouml;nnte. Und dies (tat sie): sie ging, die Tochter des K&ouml;nigs von Leinster aufzusuchen, und dies sagte sie zu ihr: <q>Weib</q>, sprach sie, <q>obgleich der Gatte, der dich hat, gut ist, so ist er dir nicht angemessen und gleichen Alters mit dir. Aber der junge, sch&ouml;ne, vielseitige Sohn da, welchen er hat, der starke Nuada, w&auml;re dir gewachsen und passender.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="14">
<p><q>Sehr unrecht ist, was du da sagst</q>, sprach die junge Frau, <q>denn wenn auch ich es w&auml;re, die hierin willigte, so t&auml;te es doch Nuada nicht. Und es w&auml;re unrecht von mir, es zu tun, da der Gatte, bei dem ich bin, gut ist, und es ist nicht ehrenhaft gegen ihn, zu seinem Schaden zu handeln.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="15">
<p>Also bat die Pflegemutter die junge Frau betreffs Nuada andauernd, ein volles Jahr lang. Nach Verlauf eines Jahres willigte sie ein, ihrer Pflegerin den Willen zu tun.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="16">
<p>Eines Tages, am Ende jenes Jahres nahm Nuada die 

<pb n="201"/>

Kriegswaffen in die Hand, und als er sie ergriffen hatte, gesellte sich ein Druide des K&ouml;nigs, n&auml;mlich der Druide Diurbartach zu ihm und sprach zu ihm: <q>Ist es heute, da&szlig; du die Kriegerwaffen genommen hast, J&uuml;ngling?</q> sprach er. <q>Ja</q>, sagte Nuada. <q>Gut ist das Vorzeichen, in dem du sie nahmst</q>, sprach der Druide. <q>Warum scheint es dir so?</q> fragte Nuada. <q>Das ist's, was es bedeutet</q>, sagte der Druide. <q>Wenn es Kampf gibt und du hast diese Waffen an dir, bist du es, den man zuerst verwundet, dann wirst du nicht mehr l&auml;nger als eine Stunde leben. Wenn du es bist, der jemand verwundet, wird dein Ruhm und deine Ehre bis ans Ende der Welt fortdauern, und es gibt von den Waffen der Welt nicht eine, die dich bis ans Ende deines Lebens verletzen kann, und dein Leben wird noch eine sehr lange Zeitspanne sein.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="17">
<p>Was das junge Weib und seine Pflegemutter betrifft, so baten sie Nuada andauernd, mit der K&ouml;nigin zu schlafen, und Nuada verweigerte es ihnen darauf und sagte dies, er wolle seinem Vater keine Schande antun, noch sich selbst Unehre, und ob ihm daf&uuml;r das Gold der Welt gegeben w&uuml;rde.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="18">
<p>In jener Zeit noch wurde den Edlen Irlands durch den einen K&ouml;nig das Fest zu Tara bereitet. Und nach Genu&szlig; jenes Gastmahls geschah es, da&szlig; sich die K&ouml;nigin und ihre 

<pb n="202"/>

Pflegemutter zu einem einsamen Gemach begaben, zum Waschen und Baden. Und es geschah, da&szlig; Nuada zu ihnen in jenes Gemach ging. Und die Frauen baten ihn wiederum, und Nuada wies sie zur&uuml;ck. Und sie sangen untereinander das Lied hier: 

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>Nuada, mich heut Nacht abzuweisen</l>
<l>und mich allein zu lassen!</l>
<l>Durch diese gewaltige unfreundliche Tat</l>
<l>wird sein Leben (zu Ende) kommen.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>O Tochter des leuchtenden K&ouml;nigs der Gal&eacute;oin,</l>
<l>sprich nicht etwas, das eine Gefahr ist,</l>
<l>das Stelldichein, wozu du mich bereden willst,</l>
<l>will ich nicht einhalten, solange ich lebe.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Nicht ist's ziemend f&uuml;r die Altersgenossin,</l>
<l>einem Feigling Liebe zu gew&auml;hren,</l>
<l>und da&szlig; ich bei ihm weilen soll zu seiner Rechten</l>
<l>und ohne da&szlig; ich von ihm in sein Bett gebracht werde.</l>
</lg>

<pb n="203"/>

<lg type="quatrain" n="4">
<l>Ich liebte dich nun</l>
<l>anstatt deines Vaters, Nuada.</l>
<l>Scheint es dir nicht elend, dies Geschick,</l>
<l>das mir von dir auferlegt ist?</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="5">
<l>M&ouml;ge nicht zerst&ouml;rt werden unsre geschwisterliche Erziehung,</l>
<l>in der wir edel erzogen wurden.</l>
<l>Nicht w&uuml;rde unsre Gemeinschaft lange dauern</l>
<l>(zwischen) dir und mir, Nuada.</l>
</lg>
<trailer>Nuada.</trailer>
</body>
</text>
</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="19">
<p>Als das Weib dies vernommen hatte, schlo&szlig; sie ihre beiden H&auml;nde um Nuada und versuchte, ihn zu &uuml;berw&auml;ltigen, und Nuada widerstand dem. Und er gab ihr einen heftigen, t&uuml;chtigen Schlag, so da&szlig; sie mit der Seite zu Boden schlug. Und darauf ging er von ihr fort und aus dem Haus.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="20">
<p>Er begab sich geradeswegs aus Tara hinaus.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="21">
<p>Die Pflegemutter sprach: <q>Nach meiner Meinung verlie&szlig; dich der Bursche schmachvoll, junge Frau</q>, sprach sie, <q>und r&auml;che es an ihm!</q> <q>Wie kann ich mich an ihm r&auml;chen?</q> fragte das Weib. Die Alte sagte: <q>L&ouml;se das lange, goldene 

<pb n="204"/>

Haar, das um dein Haupt (geschlungen ist) und tu Blut und starkes Rot &uuml;ber deine Nase und dein Angesicht, und erhebe dich, um den K&ouml;nig in dieser Verfassung aufzusuchen, und erz&auml;hl ihm, da&szlig; sein Sohn dich vergewaltigte, und wenn es einen Grund zu Nuadas Tod durch ein Ereignis auf Erden g&auml;be, dann geschieht es hierdurch. Und r&auml;che die Beschimpfung und Verachtung, die also &uuml;ber dich gebracht wurde.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="22">
<p>Darauf kam der K&ouml;nig und erblickte Zeichen des Kummers auf dem Gesicht des Weibes. Und er fragte nach seiner Ursache. Die K&ouml;nigin sprach: <q>Dein roher, t&ouml;richt sprechender Sohn best&uuml;rmte mich das ganze Jahr lang. Und da ich nicht willig war, &uuml;berw&auml;ltigte er mich und zerst&ouml;rte deine Ehre.</q> <q>Erlogen ist die Tat, die du erz&auml;hlst</q>, sprach der K&ouml;nig. <q>So ist also ein Krieger, der ehrlos und schw&auml;chlich, der nicht f&auml;hig ist, ihm widerfahrenes &uuml;bel noch Unrecht zu r&auml;chen</q>, sprach das Weib.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="23">
<p>Da erhob sich im K&ouml;nig ein starker, gewaltiger Zorn, und die drei heftigen &Uuml;berwallungen &uuml;berliefen ihn, n&auml;mlich die Aufwallung des Zornes, die der Eifersucht und die der Unkenntnis, wie die Weiber ihn so aufreizten. Er erhob sich alsdann und begab sich hin&uuml;ber ins Haus, in dem sein Gefolge weilte. Und 

<pb n="205"/>

er sagte zu ihnen: <q>Erhebt euch flink (wie) ein Mann, um euch hinter Nuada herzumachen und t&ouml;tet ihn stracks.</q> <q>Uns scheint sicher</q>, sagte einer, <q>die Tat ist eine ungeheuerliche, wegen der du uns anbefiehlst, deinen einzigen Sohn zu vernichten, &hellip; wenn nicht, werdet ihr durch mich get&ouml;tet.</q> Und er sagte das Lied hier: 

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>Erhebt euch, ihr Scharen von Tara,</l>
<l>t&ouml;tet den Sohn eures Herrn,</l>
<l>Nicht tat er eine besonnene Tat:</l>
<l>(n&auml;mlich) beschimpft wurde ich betreffs meines Weibes.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>Gro&szlig; mu&szlig; die Tat sein, die dich veranla&szlig;t,</l>
<l>uns zu schicken, deinen einzigen Sohn zu t&ouml;ten.</l>
<l>Denn du bist ohne einen andern Sohn.</l>
<l>Es wird f&uuml;r dich eine Ursache zur Reue sein.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>H&ouml;rt ihr nicht, was ich sage,</l>
<l>da&szlig; er g&auml;nzlich hingestreckt werden soll?</l>
<l>F&uuml;r euch ist's (doch) kein Verwandtenmord!</l>
<l>Auf, ihn zu verfolgen! Erhebt euch!</l>
</lg>
</body>
</text>
</p>
</div2>

<pb n="206"/>

<div2 type="sub-section" n="24">
<p>Die Schar erhob sich nun beim Aufruf des K&ouml;nigs, und sie ergriffen ihre starken gewaltigen Waffen und zogen nach Tara, s&uuml;dw&auml;rts, hinter Nuada her. Als der die Scharen erblickte, wie sie ihre Waffen gepackt hielten, drehte er sich zur&uuml;ck nach seinen Waffen, und jemand begegnete ihm, und er fragte ihn nach den Ereignissen, und der erz&auml;hlte ihm, da&szlig; sie alle in Gemeinschaft darauf aus waren, ihn zu t&ouml;ten und zu vernichten. <q>Traurig ist, was du erz&auml;hlst, Krieger</q>, sprach Nuada, <q>und warum z&uuml;rnt ihr mir?</q> <q>Nicht wei&szlig; ich das</q>, sprach der K&auml;mpe.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="25">
<p>Nuada kam zu seinen Waffen und packte sie, und er verlie&szlig; den Ort nordw&auml;rts (sich wendend). Als nun die St&auml;mme von &Iacute;r und &Emacr;mer ihn sahen, stachelte einer den andern an, und sie gedachten ihrer alten und neuen Streitursachen gegen Nuada, denn von &Emacr;rem&omacr;ns Sippe war kein K&ouml;nig oder Heros geblieben, der besser gewesen w&auml;re, als Nuada. Traurig und niedergeschlagen war der Stamm &Emacr;rem&omacr;ns und das Volk der Provinz Connaught deswegen. Und Nuada ging, sich seinem schnellen Lauf vertrauend, nach Tara, bis er an das Ufer der Boyne gelangte, so da&szlig; keiner von ihnen ihn &uuml;berholte.

<pb n="207"/>

Dann hatten ihn dreimal neun Mann ein, und sie riefen &uuml;ber ihn und gelobten seinen Tod, und sie schleuderten mit ihren Waffen nach ihm. Nuada jedoch drehte sich schnell und h&ouml;chst geschickt zu ihnen und widersetzte sich ihnen so gewaltig und tapfer und so w&uuml;tend und heldenhaft, und er lieferte ihnen einen scharfen Kampf, so da&szlig; von ihnen keiner mit dem Leben entrann, nur die drei durch und durch Verwundeten, die sich in ihrer Niederlage heimlich <corr sic="zur&uuml;kzogen" resp="BF">zur&uuml;ckzogen</corr>, und eine gro&szlig;e Anzahl von den Haufen ward gem&uuml;tskrank, als sie sahen, in welcher Not er sich befand. Ein anderer Teil von ihnen hatte den Wunsch und Willen, ihn sogleich zu t&ouml;ten.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="26">
<p>Was nun aber den K&ouml;nig betraf, so hetzte er, was er an Mannschaften in ganz Tara fand, hinter Nuada her. Und es stie&szlig;en die sieben Duinn und die neun Coin zu ihm und hundert bewaffnete Mann bei jedem einzelnen von ihnen, und er feuerte sie an und er legt ihnen auf, Nuada zu t&ouml;ten und erz&auml;hlte ihnen die Beschimpfung der K&ouml;nigin durch ihn und <q>es steht euch zu, meine Ehre zu r&auml;chen</q> und alle zogen wiederum hinter Nuada her.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="27">
<p>Es kamen nun die drei, die in den Kampf gegangen waren bis zum Anger von Tara. Und der Druide 

<pb n="208"/>

Diurbartach gesellte sich zu ihnen und sagte ihnen: <q>Ist's Nuada, der euch verletzte?</q> sprach er. &mdash; <q>Er ist's, der dreimal neun Mann au&szlig;er uns allein get&ouml;tet hat!</q> &mdash; <q>Bei meinem Gewissen</q>, sprach der Druide, <q>er wird eine Zahl t&ouml;ten, die noch mehr sein wird; denn die Luft &uuml;ber ihm ist auf jedem Wege sehr rot und blutig und vor ihm wird Niederlage sein</q>, sprach der Druide.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="28">
<p>Was nun Nuada betrifft, so wagten sie nichts gegen ihn, noch lie&szlig; man sich mit ihm ein, au&szlig;er da&szlig; Schlachthaufen oder Hunderte gegen ihn auf einmal geworfen wurden, und er begab sich alsbald fort von der M&uuml;ndung der wei&szlig;leuchtenden Boyne. Und so ging er nach Dumha na Macraide, das Echann genannt wird und nach Cathair Tibrini, das heut das k&ouml;nigliche Cenanndas hei&szlig;t und nach Finnabann B&oacute; G&umacr;aire, der Mana genannt ist und nach Loch L&amacr;ogaire nordw&auml;rts und in die Berge von Dee, die Gnaires Bergkette hei&szlig;en. Und zahllos war, was bis dahin an Scharen durch ihn fiel, und zahlreiche Scharen gingen von ihm nach Tara, verwundet und verkr&uuml;ppelt.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="29">
<p>Der K&ouml;nig von Irland machte sich selbst auf, und seine Pferde wurden ihm gebracht und sein Wagen angespannt, 

<pb n="209"/>

und er begab sich auf die Verfolgung seines Sohnes, und die M&auml;nner von Irland mit ihm zusammen.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="30">
<p>Was aber Nuada betrifft, so gelangte er sodann weiter &uuml;ber die Stromgew&auml;sser des Feaba im <q>Gel&auml;nde zwischen den beiden Fl&uuml;ssen</q> und nach Findmag nGabra und &uuml;ber den alten Flu&szlig;, der da hei&szlig;t M&ouml;nchsflu&szlig; und nach Duma mac &Emacr;rem&omacr;in, das Cnucca genannt wird und nach Senmag nOgla Figda, das <q>das dunkle Tal</q> hei&szlig;t, und die Scharen waren vor ihm und hinter ihm und zu jeder Seite von ihm bis Dubais, und er wandte sein Gesicht nach der Ebene des Ith mac Breogain.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="31">
<p>Und dort holten ihn die neun Coin mit ihren neunhundert ein. &mdash; <q>Das ist tapfer, Nuada</q>, sprachen sie, <q>da gibt's eine Menge hingemordeter Helden und verwundete und verst&uuml;mmelte Scharen seit der furchtbaren Niederlage, die du uns auf dem Wege von Tara beibrachtest.</q> &mdash; <q>Bei meinem Gewissen</q>, sagte Nuada, <q>so sehr f&uuml;hlte ich den Hals um mich herum!</q> sprach er, <q>und ich wei&szlig; nicht, warum ihr gegen mich seid.</q> &mdash; <q>In einer gro&szlig;en Ursache!</q> sagten sie. <q>Die Frau deines Vaters ist durch dich vergewaltigt.</q> &mdash; <q>Bei meinem Gewissen, f&uuml;rwahr!</q> sprach Nuada, <q>es ist nicht der Kampf eines Sohnes, der den v&auml;terlichen Zorn heraufbeschworen hat, 

<pb n="210"/>

den ich bisher gek&auml;mpft habe, und jene Tat ist erlogen</q>, entgegnete er(?). &mdash; <q>Wenn's so ist</q>, sagten sie, <q>bleib bei uns, ergib dich uns und nimm unsern Schutz an. Man wird dich der Gewalt deines Vaters &uuml;bergeben.</q> &mdash; <q>Bei meinem Wort, wahrhaftig!</q> sagte er. <q>Erst bis der K&ouml;nig meinem Wort glaubt, und bis ihrs alle glaubt, da&szlig; jene Tat erlogen ist, (eher) werde ich nicht irgendeinem von euch Vertrauen schenken.</q> &mdash; <q>Das wirst du bereuen</q>, sagten sie, <q>denn du wirst nicht leben bleiben wegen der Schuldtat, die du begingst.</q> &mdash; <q>Wenn es ehrliche K&auml;mpfe f&uuml;r mich sind</q>, sprach er, <q>dann, bei meinem Wort, ist's nicht an euch, mich erst zu fragen, und warum eigentlich seid ihr mir b&ouml;se, ihr Helden</q>, sagte er. Und er sprach das folgende Lied hier: 

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>O Coin, warum z&uuml;rnt ihr mir,</l>
<l>indem ihr euren Zwist neu entfacht?</l>
<l>obgleich ihr den gro&szlig;en Art<note type="auth" n="1">Der Oheim Nuadas.</note> get&ouml;tet habt,</l>
<l>gegen euch wollte ich nicht Kampf.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>O Nuada, sage das nicht,</l>
<l>(es wird) eine Tat des Triumphes und grausamer Verwundung,</l>

<pb n="211"/>

<l>da wir dich nicht mit Willen fortlassen,</l>
<l>wie du bist mit deiner gro&szlig;en Kraft.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Ich sage euch nun &mdash;</l>
<l>und dies ist ein ehrliches Wort &mdash;</l>
<l>da&szlig; ihr kein Gl&uuml;ck haben werdet,</l>
<l>wenn ihr auf mich los geht, o Coin.</l>
</lg>
</body>
</text>

<q>Werdet ihr mir ehrlich einen Kampf gew&auml;hren</q>, fragte Nuada. &mdash; <q>Es w&auml;re nicht Gerechtigkeit, w&uuml;rde es nicht gew&auml;hrt</q>, sagten sie. <q>Man wird es dir zubilligen.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="32">
<p>Ein Mann von ihnen machte sich sofort zu ihm auf, und am Ende des Kampfes gab ihm Nuada einen Hieb, so da&szlig; er ihm mit jenem Hieb den Kopf abschlug samt einem Drittel seines l&auml;nglich gespitzten, gekerbten Schildes. <q>Meiner Treu, wahrhaftig</q>, sagten sie, <q>wunderbar ist die Tat des jungen bartlosen J&uuml;nglings</q>, so sagten sie. <q>Ich werde mich an ihn machen</q>, sagte ein andrer Mann von ihnen, <q>sobald ich Schild an Schild gegen ihn halten werde, la&szlig; auf einmal neun Mann von euch auf ihn gehen, und jedes Mannes Lanze durchsto&szlig;e ihn, und so wird er fallen.</q></p>
</div2>

<pb n="212"/>

<div2 type="sub-section" n="33">
<p>Was aber geschah, war, da&szlig; jener Mann zu ihm ging und ihm den Schild an seinen Schild hielt, und neun Mann seiner Sippe erhoben sich gemeinsam gegen ihn, und sie f&uuml;hrten einen w&uuml;tigen, heldenhaften Wettkampf aus, schnell und pl&ouml;tzlich und sehr behende. Und am Ausgang des Kampfes fiel jener Mann mit seinen Leuten von Nuadas Hand. Und zwei andre von ihnen erhoben sich sogleich, und sie sagten dies: <q>La&szlig;t uns gehen und zweimal neun Mann mit uns, um ihm zu begegnen, und wenn wir durch ihn bei dem Waffengang fallen, erhebt euch alle gegen ihn und &uuml;berw&auml;ltigt ihn durch &uuml;bermacht.</q><note type="auth" n="2">T&aacute;in B&oacute; Cualange, Wind. S.636 Anm. 1 und Ir. Texte III 542 Anm.</note> Und jene zwei fochten darauf lange Zeit einen starken, heldenhaften Wettkampf gegen Nuada, und gemeinsam mit ihnen ihre zweimal neun Mann. Und sie fielen durch Nuada, ohne da&szlig; sich an ihm ein Blutverlust oder eine Verletzung fand.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="34">
<p>Es erhoben sich nun zwei andere davon und drei&szlig;ig Helden mit jedem, und sie schossen auf einmal auf ihn und schrieen um ihn von allen Seiten, und Nuada bek&auml;mpfte sie so kr&auml;ftig und feindselig, stark und heldenhaft, w&uuml;tend und &uuml;beraus tapfer, da&szlig; alle am Ende jenes Kampfes durch ihn fielen.</p>
</div2>

<pb n="213"/>

<div2 type="sub-section" n="35">
<p>Was aber geschah, war, da&szlig; sich &uuml;berhaupt alle Scharen erhoben, um ihn anzugreifen, und man schrie auf jeder Seite. Nuada sprang unter sie mit der Geschwindigkeit einer Schwalbe oder eines Hirsches oder Wiesels. Und er arbeitete mit seinen H&auml;nden und teilte so vernichtende Hiebe aus, und sein Gesicht flammte und leuchtete, so da&szlig; es nicht m&ouml;glich war f&uuml;r irgendeinen, nahe seinem Angesicht zu weilen, so kr&auml;ftig hieb er n&auml;mlich auf die Heldenscharen ein. Der Mann, der da versuchte, Nuada eine Verwundung oder einen Streich auszuteilen, versetzte das dem, der ihm von den eigenen Leuten am n&auml;chsten war, so da&szlig; ein gut Teil von ihnen auf die Weise get&ouml;tet wurde. Darauf hieb Nuada sich einen breiten t&uuml;chtigen Weg zwischen ihnen, lichtete sie und preiste sie dann wieder aufeinander. Und obschon sie am gierigsten auf Flucht sannen, wagten sie es nicht (aus Furcht) vor Nuada. Er vernichtete sie vollst&auml;ndig.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="36">
<p>Nun aber dort, wo sich die neun Coin mit ihren neunhundert zusammen im Kampfe befanden, dort kam kein Mensch vor Nuada mit dem Leben davon, au&szlig;er da&szlig; gerade ein Mann der Sch&auml;rfe einer Verwundung oder eines Hiebes entging, so da&szlig; der Name des Ortes, wo sie fielen, hinterher die Bergschlucht der Ruhest&auml;tten der Coin war. Und Nuada entkam vor ihnen ohne Blutverlust, ohne eine Verletzung 

<pb n="214"/>

seinerseits und wandte alsdann sein Angesicht auf den Finnsruth Finne zu nordwestlich.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="37">
<p>Was nun jedoch den K&ouml;nig betrifft, so erreichte er und die K&ouml;nige von Irland um ihn die Schlucht, wo sich die neun Coin befunden hatten. Dem K&ouml;nig w&auml;re es lieber gewesen, dort das Haupt seines Sohnes in Empfang zu nehmen, statt die Niederlage der Coin. <q>Dies ist die Schlacht eines Helden!</q> sprach der Adel der irischen M&auml;nner, <q>und es ist eines Helden Geschicklichkeit</q>, sprachen sie.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="38">
<p>Was darauf Nuada betrifft, so gelangte er an den Ort, wo die sieben Duinn waren zusammen mit ihren siebenhundert, und sie gingen gerade auf die Suche nach ihm, und so trafen sie aufeinander. <q>Es ist ein blutiger Kampf von Helden und K&auml;mpfern</q>, sprachen sie, <q>und ein gro&szlig;er Teil irischer M&auml;nner fiel durch dich.</q> <q>So ist's, wenn man im Recht ist</q>, gab Nuada zur&uuml;ck, <q>dann siegt man auf allen Seiten.</q> <q>J&uuml;ngling</q>, sprachen sie, <q>wenn du im Recht bist, bleibe bei uns und &uuml;bergib dich deinem Vater.</q>

<pb n="215"/>

<q>Ich &uuml;bergebe mich nicht meinem Vater</q>, sagte er <q>bis er glaubt, da&szlig; ich im Recht bin.</q> <q>Haben die Coin dich ergriffen, Nuada?</q> fragten sie. <q>Wenn sie's getan h&auml;tten</q>, sprach er, <q>so h&auml;tte ich nicht gegen ihren Willen entkommen k&ouml;nnen.</q> <q>Es ist der Vorteil &hellip;, und Nachl&auml;ssigkeit der Verfolgung ist's, die sich die Coin dir gegen&uuml;ber zuschulden kommen lie&szlig;en</q> sagten sie. Und sie sangen sodann das Lied:

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>K&ouml;nigssohn! Scharf sind die Taten,</l>
<l>die durch dich vollbracht wurden in Leitrim,</l>
<l>wo durch dich &mdash; es bleibt nicht verborgen &mdash;</l>
<l>eine Unmenge Heere und Scharen fielen.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>So pflegt ein tapfrer, flinker Held zu sein</l>
<l>im Kampf mit Helden und Heerhaufen,</l>
<l>obgleich viele von ihnen um ihn herum sind,</l>
<l>da er ja selber im Recht ist!</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Nicht dies hat es bewirkt,</l>
<l>sondern die Coin lie&szlig;en im Stich</l>

<pb n="216"/>

<l>die Ehre des K&ouml;nigs von Tara,</l>
<l>von dir, J&uuml;ngling, Herr.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="4">
<l>Wenn mich die M&auml;nner ergriffen h&auml;tten,</l>
<l>jene Leuchten der Tapferkeit,</l>
<l>w&auml;re es nie mit Willen der Schar gewesen,</l>
<l>da&szlig; ich jeden &uuml;berragend gegen eine Schlachtreihe st&uuml;nde.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="5">
<l>Obwohl die M&auml;nner im Stich lie&szlig;en</l>
<l>die Ehre des tatenreichen K&ouml;nigs von Irland</l>
<l>werden wir ihn nicht im Handgemenge verlassen.</l>
<l>Du bist's, der sterben wird.</l>
<trailer>J&uuml;ngling.</trailer>
</lg>
</body>
</text>

<q>Und obwohl die Coin dich von sich lie&szlig;en, werden wir es nicht zulassen.</q> <q>O Krieger</q>, sprach er, <q>gew&auml;hrt ihr mir Einzelkampf?</q> fragte er. <q>Wir werden es tun</q>, sprachen sie, <q>und mit gro&szlig;er Bereitwilligkeit.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="39">
<p>Also erhoben sie sich, und ein Donn von den Duinn(scharen) machte sich an ihn heran, und einen blutigen, heldenm&uuml;tigen 

<pb n="217"/>

Kampf k&auml;mpften sie f&uuml;r eine Weile und Zeit lang, und am Ende des Kampfes war es, da&szlig; jener Mann von Nuadas Hand fiel. Als die Sippe jenes Mannes es sah, erhoben sie sich, um ihn sofort zu r&auml;chen, n&auml;mlich hundert Helden, und sie k&auml;mpften einen Kampf gegen Nuada, und er ging unter sie, und jene Helden fielen durch ihn, so da&szlig; von ihnen kein Fl&uuml;chtling mit dem Leben davonkam. <q>Da sie durch dich gefallen sind</q>, sagten sie, <q>so nimm einen Mann mit seiner Schar gegen dich.</q> <q>Tut es!</q> sagte er.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="40">
<p>Da erhob sich der zweite Donn von ihnen mit seiner Gefolgschaft, und sie k&auml;mpften gegen Nuada. Und jener Donn fiel durch ihn mit seiner Hundertschaft. Danach erhoben sich aber zwei andere von ihnen mit ihren zweihundert, ihm entgegen zu ziehen, und sie schlugen einen wahnsinnigen Kampf, und die zweihundert fielen mit ihrem F&uuml;hrer. Es erhoben sich drei Duinn gegen ihn mit ihren dreihundert, und jene fielen durch Nuada, ohne da&szlig; ein Fl&uuml;chtling von ihnen mit dem Leben entkam.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="41">
<p>Nun aber, es entwich keiner mit dem Leben von den siebenhundert und von den sieben Duinn, so da&szlig; der Name 

<pb n="218"/>

des Ortes ist <q>die Halde der Duinn</q> &mdash; heute genannt Leiter Mhulach. Und darauf wandte er das Gesicht nordw&auml;rts, und er ging nach Uachtar Glinne, und linker Hand war Ath tri nDiad.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="42">
<p>Und sodann erreichte der K&ouml;nig den Ort, wo die gefallenen Duinnscharen sich befanden. Sie erblickten das gewaltig gro&szlig;e Blutbad und die roten Leiber im Leichenblut. <q>Meiner Treu!</q> sprach der Adel irischer M&auml;nner, <q>der dies Blutbad anrichtete, hat nicht die Tat begangen, deren man ihn beschuldigt. Und es ist wahr, was er sagt, wenn er die ihm auferlegte Schuldtat abweist.</q> <q>Was immer</q>, sagte der K&ouml;nig, <q>es gilt, ihn zu verfolgen.</q> Und er reizte die Schar an, hinter Nuada herzusetzen. Und sie verfolgten ihn heftig und begierig und verteilten sich nach allen Richtungen.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="43">
<p>Als Nuada die Menge der Heerhaufen und der Helmspitzen rundum erblickte, setzte er sich in Bewegung, schnell und wagemutig im t&uuml;chtigen Lauf; und er kam geradeswegs zu auf Tri Uachtar mBera und hatte linker Hand den gr&uuml;n-w&auml;sserigen Strom, bis er schlie&szlig;lich ans Meer gelangte. Und 
 
<pb n="219"/>

er warf seine sch&ouml;n wei&szlig;schimmernde Flanke gegen das Branden der starken, gro&szlig;en Wogen und schwamm eifrig durch die salzige Meerflut dahin, bis er Gabla erreichte, welche Innsi Muindteri &szlig;radaighan genannt werden, und die Insel am Westrande von ihnen erreichte er.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="44">
<p>Der K&ouml;nig gelangte mit seinen Heerscharen an den Meeresrand und in den Hafen der Insel und begann also: <q>Dies soll keine Zuflucht f&uuml;r dich sein, Nuada</q>, sagte er, <q>es werden von mir vollbemannte Kriegsschiffe und weitb&auml;uchige Barken und zahlreiche Flotten zu der Insel dort geschafft, und der verw&uuml;nschte Sohn da soll von mir get&ouml;tet werden, Nuada n&auml;mlich, und durch &uuml;bermacht wird er &uuml;berw&auml;ltigt werden.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="45">
<p>Was Nuada betrifft, so war er m&uuml;de, schwach und hungrig, nachdem er die Insel erreicht hatte. Lang war der Weg, den er bis dahin zur&uuml;ckgelegt hatte und der, den er auf der Insel gewandert war. Er erblickte eine Herde gewaltig gro&szlig;er Schweine und K&uuml;he, und die Herde f&uuml;hrte ein absonderlich riesenhafter Ochse. Er schleuderte einen geraden treffsicheren Wurf auf den Ochsen, so da&szlig; er ihn durchbohrte, t&ouml;tete ihn sodann und zerlegte ihn. Er baute sich eine sichere, recht feste H&uuml;tte und kochte den Ochsen und a&szlig; sich gen&uuml;gend 

<pb n="220"/>

satt daran. Darauf stellte er seinen gro&szlig;en Kriegsschild vor die T&uuml;r der H&uuml;tte und steckte seinen leichten Speer zur Seite und sein Schwert unters Kopfende. Und ihn &uuml;berkam ein Anfall von Schlummer, ohne da&szlig; er Furcht oder Grausen empfand.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="46">
<p>Was nun den Druiden des K&ouml;nigs von Irland betrifft, n&auml;mlich den Druiden Diurbartach, so wurde ihm jene Tatsache offenbart, wie es damit stand und wie gegen Nuada jene erlogene Anklage erhoben worden war. Und er machte sich auf nach Norden hinter dem K&ouml;nig von Irland und seinem Sohne her von Tara aus, bis er den Hafen der Insel erreichte, wo der Irenk&ouml;nig war und mit seiner Schar den Sohn belagerte und nach Schiffen und Booten verlangte, um zur Insel zu gelangen, damit er den Sohn t&ouml;tete. Und als der Druide in die N&auml;he kam, fragte er den K&ouml;nig, was er zu tun beliebte. Der K&ouml;nig sprach: <q>Gern h&auml;tte ich breitb&auml;uchige Barken und schwerbemannte Kriegsschiffe, die dorthin zur Insel tragen, damit Nuada get&ouml;tet werde.</q> &mdash; <q>Wirklich, auf mein Wort</q>, sprach der Druide, <q>obschon heut zahllose Scharen von Nuada get&ouml;tet wurden, gibt es noch mehr der Ohnmacht der Totgeweihten und blutige R&ouml;te &uuml;ber jener Insel da, wo er jetzt weilt, als bisher. Und 'der starke Nuada' wird sein Name</q>, sagte er, <q>und vom Geschlechte &Emacr;rem&omacr;ns kam nicht seinesgleichen, und 

<pb n="221"/>

eine Menge wird es sein, die unter (seine) Gewalt ger&auml;t. Und erlogen ist die ihm zugelegte Tat.</q> Und er sagte das Lied hier: 

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>Nuada, der Starke, trefflich sein &hellip;</l>
<l>Sohn des Sohnes von Aillill Eolch&amacr;n.</l>
<l>Ein Krieger Europas, dem die Tapferkeit dienstbar,</l>
<l>eine grimme Welle, welche die Feinde zerschmettert.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>Der k&uuml;hne L&ouml;we, der giftige,</l>
<l>der St&auml;rkste aller starken M&auml;nner.</l>
<l>Der Schild von Fodla, dessen Grimm nicht schw&auml;chlich ist.</l>
<l>Der F&uuml;tterer der Raben und blutrotgeschn&auml;belten Kr&auml;hen.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Sohn des Giallchad, t&uuml;chtig ist sein Morden,</l>
<l>wegen der Anklage der sch&ouml;nen Uane,</l>
<l>wegen des M&auml;dchens &hellip; des leuchtenden,</l>
<l>wegen der Frau des kampflustigen Giallchad.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="4">
<l>Verha&szlig;t war der Amme der Frau</l>
<l>jener J&uuml;ngling, Giallchads Sohn,</l>
<l>wegen einer Sache, in der sie im Unrecht war,</l>
<l><corr sic="Uaine" resp="Spo">Uane</corr> aber war er lieb.</l>
</lg>


<pb n="222"/>

<lg type="quatrain" n="5">
<l>Vierundneunzig ber&uuml;hmte K&ouml;nige,</l>
<l>vom Stamme des Sohnes des Gesetzgebers Giallchad,</l>
<l>welche von Tara Besitz ergreifen werden mit ihrer Macht,</l>
<l>f&uuml;r die edlen Nachkommen Nuadas.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="6">
<l>Auf Uane zur&uuml;ck geht die M&auml;re,</l>
<l>da&szlig; sie gewaltsam ergriffen worden sei.</l>
<l>Ein Anfall von Eifersucht hatte den K&ouml;nig erfa&szlig;t,</l>
<l>so da&szlig; er zornig gegen Nuada wurde.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="7">
<l>Schnell fielen die sieben Duinn</l>
<l>und die neun Coin gemeinsam.</l>
<l>Ein gewaltiger Haufe &mdash; es war keine schwache Tat &mdash;</l>
<l>sie fielen durch Nuada.</l>
<trailer>Nuada.</trailer>
</lg>
</body>
</text>
</p>
</div2>
</div1>

<div1 type="section" n="2">
<div2 type="sub-section" n="1">
<p>&hellip; nicht hatte er Kunde von irgendeinem von ihnen erfragt und wu&szlig;te nicht, ob sie eine noch gr&ouml;&szlig;ere Zahl waren. 

<pb n="223"/>

Darauf ging er in seine Jagdbude und legte sich seine Waffen zur Seite und sein Schild vor die T&uuml;r der Bude und schlief ein nach solcher Vorbereitung.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="2">
<p>Sodann sprach der K&ouml;nig von Lochlann: <q>Unsre Leute sind weitab</q>, sprach er, <q>und sie warten auf Kampf und Streit.</q> <q>Ich werde gehen, nach ihnen zu forschen</q>, sagte der K&ouml;nigssohn von Lochlann, n&auml;mlich Lulach Osberns Sohn, und er erhob sich flugs und neunhundert Helden mit ihm zusammen, und sie gelangten an die Stelle, wo ihre Leute erschlagen worden waren, und sie erblickten die blutroten Leiber und die K&ouml;pfe auf den Stangen, und sie erkannten sie und erblickten die Waldh&uuml;tte neben der Quelle. <q>Kleine Waldh&uuml;tte</q>, sagte der K&ouml;nigssohn von Lochlann, <q>wenn aus dir heraus diese &uuml;beltaten ausgef&uuml;hrt wurden, sind die Taten gewaltig, die aus dir kommen.</q> <q>Meiner Treu, nicht aus ihr</q>, sagten sie, <q>au&szlig;er wenn es Erdh&ouml;hlen unter ihr gibt oder gro&szlig;e, sehr weite H&ouml;hlen, worin sich eine zahlreiche Menge von der Schar befinden mag.</q> <q>Durchsucht sie zusammen</q>, sprach der K&ouml;nigssohn von Lochlann.</p>
</div2>

<pb n="224"/>

<div2 type="sub-section" n="3">
<p>Ein Mann von ihnen ging sofort zur T&uuml;r der H&uuml;tte und schaute am Schild vorbei hinein und erblickte den freundlichen, liebenswerten J&uuml;ngling darin schlafend. Und er ging sofort unter seine Leute und brachte ihnen die Kunde und erz&auml;hlte: <q>Ich sah nur einen jungen, sch&ouml;nen, strahlenden Burschen dort in der H&uuml;tte schlafen, und ich wei&szlig; es nicht, ob er's ist, der diese gro&szlig;en Taten ausgef&uuml;hrt hat,</q> <q>Fragen wir ihn</q>, sagten sie, <q>und sto&szlig;en wir die Lanze jedes Mannes in ihn hinein.</q> <q>Wir werden das nicht tun</q>, sagte der K&ouml;nigssohn von Lochlann, <q>er soll nicht von uns im Schlaf gemordet werden, sondern weckt ihn schleunigst f&uuml;r uns.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="4">
<p>Einer von ihnen ging zur T&uuml;r der H&uuml;tte und ersch&uuml;tterte den Schild. Und dadurch wachte Nuada auf und erhob sich sofort, ergriff seine Waffen und fa&szlig;te seinen Schild und trat hinaus. Und er erblickte drau&szlig;en die neunhundert mit ihrer Menge von Schilden und Schwertern. <q>Wer vollbrachte diese gro&szlig;en Taten, J&uuml;ngling?</q> fragte der K&ouml;nigssohn von Lochlann. <q>Sie fielen durch mich</q>, antwortete Nuada. <q>Bei meinem Wort!</q> sprach der K&ouml;nigssohn von Lochlann, 

<pb n="225"/>

<q>nie tat es dir in heutiger Zeit je ein Mensch gleich an Abenteuern, die gewaltiger w&auml;ren als diese hier. Aber trotzdem wirst du hier fallen, und du wirst es bereuen.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="5">
<p>Jener betrachtete den jungen, sch&ouml;nen, herrlichen, sch&ouml;nfarbigen J&uuml;ngling bei ihrer Unterredung, n&auml;mlich den K&ouml;nigssohn von Lochlann, und solcher Art war jener: er und Nuada hatten dasselbe Alter, und &auml;hnlich waren ihre Gestalten und gleich lang ihr Haar und sie selbst von gleichem Ma&szlig;. Und Nuada fragte ihn: <q>Wer bist du?</q> sprach er. <q>Lulach, Osberns Sohn ist dort</q>, sagten sie, <q>n&auml;mlich das ist der K&ouml;nigssohn von Lochlann, und er selbst ist bestimmt zum K&ouml;nig von Lochlann.</q> <q>Wenn's so ist, J&uuml;ngling </q>, sprach Nuada, <q>ernte du nicht dein Gl&uuml;ck auf meinem Ungl&uuml;ck</q>, so sprach er, <q>denn auf der Flucht vor meiner Ermordung gehe ich aus meinem Lande, und es gibt keinen K&ouml;nigs- oder F&uuml;rstensohn, den ich mir zum Kampfspiel w&uuml;nsche, es sei denn, er forderte mich selbst ungeb&uuml;hrlich.</q> <q>Meiner Treu</q>, sagte der K&ouml;nigssohn von Lochlann, <q>es wird dir verziehen werden, was du je tatest, und begib dich 

<pb n="226"/>

zu meinem Gefolge ehrenvoll und w&uuml;rdig, und kehre nie wieder in dein eigenes Land zur&uuml;ck, und dir wird viel Reichtum von mir zukommen.</q> <q>Wo ist der K&ouml;nig von Lochlann?</q> sprach Nuada. <q>Da unten im Hafen</q>, sprach er, <q>und ein jeder von ihnen hat ein Schiff aus Lochlann gleich ihm.</q> <q>Zu welcher Unternehmung seid ihr hergekommen?</q> fragte Nuada. <q>Irland f&uuml;r uns zu erstreiten</q>, sprach der K&ouml;nigssohn von Lochlann, <q>und zu t&ouml;ten, was es darin an t&uuml;chtigen M&auml;nnern gibt.</q> <q>Eine gewaltige Sache das!</q> sagte Nuada. <q>Wird Tribut oder Steuer von ihnen genommen werden, oder werden sie selbst get&ouml;tet?</q> <q>Ich glaube, es wird kein Tribut genommen werden</q>, sprach der K&ouml;nigssohn von Lochlann. <q>So wirst du blutigen, heftigen Kampf finden durch die irischen M&auml;nner</q>, sprach Nuada. <q>Krieger!</q> sagte der K&ouml;nigssohn von Lochlann, <q>weile du bei mir selbst, und alles, was du bisher an Schaden getan hast, wird dir vergeben werden.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="6">
<p>Nuada antwortete also und sprach dies: <q>Es gibt 

<pb n="227"/>

keinen K&ouml;nigssohn, der seine Schulter unter die W&ouml;lbung seines Schildes gegeben hat, der mir wert w&auml;re, bei ihm zu sein, es sei denn, er habe zuerst die Herrschaft angetreten, die ihm zukam.</q> Und er sprach folgendes Lied:

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>J&uuml;ngling, der du &uuml;bers Meer kamst,</l>
<l>k&auml;mpfe nicht gegen <corr sic="eine" resp="BF">einen</corr> vielgeha&szlig;ten Mann!</l>
<l>La&szlig; nicht deine leuchtende Gnade vergehen</l>
<l>angesichts eines Wanderers von edler Herkunft.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>Deine gro&szlig;en &uuml;beltaten w&uuml;rde man dir nicht vergeben</l>
<l>wegen deines blutigen Kampfes.</l>
<l>Man w&uuml;rde dich strafen, ehe du zu deinem Heim gehst,</l>
<l>wegen des T&ouml;tens der Lochlann-M&auml;nner.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Alles, was ich hier t&ouml;tete</l>
<l>an Lochlann-Scharen ohne &uuml;berma&szlig;,</l>
<l>das w&uuml;rdest du nicht schm&auml;hen,</l>
<l>w&uuml;&szlig;test du Bescheid, J&uuml;ngling.</l>
</lg>
</body>
</text>

<q>Wenn du bei mir bliebst</q>, sagte der K&ouml;nigssohn von Lochlann, <q>w&uuml;rden wir dir nicht Untergang bereiten, und wenn du nicht bei mir bleibst, wirst du baldigst Kampf finden.</q>

<pb n="228"/>

<q>Ich bleibe nicht bei dir</q>, sagte Nuada, <q>sind sie es, dein Gefolge, das auf mich loskommt, oder bist du es selber?</q> <q>Ja, meine Leute</q>, sagte er, <q>entweder, bis du f&auml;llst durch sie oder sie alle durch dich fallen.</q> <q>Gesteht man mir ehrlichen Zweikampf zu, ihr Helden?</q> fragte Nuada. <q>Nein, in der Tat</q>, sagten sie, <q>sondern eine Heldenschar von zehn Mann geht auf einmal zum Kampfe mit dir, bis eine Hundertschaft voll ist. Und wenn du jene f&auml;llst, werden hundert andere zum Kampfe gegen dich gef&uuml;hrt.</q> <q>Es geschehe also</q>, sagte Nuada, <q>und geht nicht dar&uuml;ber hinaus!</q> <q>Wir werden es nicht tun</q>, sprachen sie.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="7">
<p>Zehn von ihnen erhoben sich ihm entgegen, und sie wurden sehr bald durch ihn gef&auml;llt. Und es wurden jedesmal zehn mehr gegen ihn gebracht, bis hundert erreicht waren, und sodann kamen hundert gegen ihn, und sie fielen alle durch ihn. Aber nichtsdestoweniger t&ouml;tete er sie zu Hunderten nacheinander auf diese Weise, so da&szlig; nur zwei von ihnen blieben, n&auml;mlich der K&ouml;nigssohn von Lochlann und ein Held von seiner Schar. Und er sagte das Lied:

<pb n="229"/>

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>Blutig ist dein Gemetzel, du Held!</l>
<l>Nuada, der du den Tod bringst!</l>
<l>Es wird von dir voll bezahlt werden</l>
<l>alles, was du von unsern Heeren niederschl&auml;gst.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>Vergeben wird man dir alles Schlimme, das du ver&uuml;bst,</l>
<l>und weile bei mir selbst, K&ouml;nig.</l>
<l>Man wird dir &hellip; &uuml;berlassen zum Geschenk</l>
<l>hier zum Lohne.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Noch nie hat den Schild vor sein Antlitz gehalten</l>
<l>ein K&ouml;nigssohn, der mir wert gewesen, bei ihm zu sein,</l>
<l>aber wenn dir viel daran liegt,</l>
<l>dann la&szlig; uns blutig k&auml;mpfen.</l>
</lg>
</body>
</text>

<q>Blutig sind jene Taten, J&uuml;ngling</q>, sprach der K&ouml;nigssohn von Lochlann, <q>und meiner Meinung nach ist's eines Helden Trefflichkeit.</q> <q>Das sehe ich</q>, sprach der J&uuml;ngling, <q>und r&auml;cht ihr sie, oder kommt ihr zum Gefecht gegen mich?</q> <q>Ich werde f&uuml;rwahr kommen</q>, sagte er, <q>denn obgleich 

<pb n="230"/>

die Herrschaft von Europa mir &uuml;bertragen w&uuml;rde, lie&szlig;e ich dich nicht lebendig heraus, nach der Ermordung meiner Leute, und auf diese Weise soll gek&auml;mpft werden</q>, sprach er, <q>n&auml;mlich der eine meiner Leute wird zu jener befestigten Anh&ouml;he gehen, um uns als Zeuge zu beobachten, und wenn ich es bin, der fallen wird, soll er sich dorthin begeben, wo der Adel von Lochlann sich aufh&auml;lt und ihnen Kunde geben.</q> <q>So soll es geschehen</q>, sprach Nuada. Und der eine von den Leuten des K&ouml;nigssohnes von Lochlann ging zur befestigten Anh&ouml;he in ihrer N&auml;he und lie&szlig; sich dort nieder, um sie zu beobachten.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="8">
<p>Da st&uuml;rmte einer auf den andern los, k&uuml;hn, scharf schie&szlig;end, feurig und w&uuml;tend, wuchtig, mannhaft und heldenm&auml;&szlig;ig, fauststark, l&ouml;wenartig und m&auml;nnlich stark, sehr machtvoll. Und jeder von ihnen w&uuml;nschte den anderen recht stark und wirklich wuchtig anzugreifen, so da&szlig; sie gef&auml;hrliche Wunden und stets kraftvolle und ewig schlimme Hiebe dem andern austeilten.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="9">
<p>So stand es nun mit der Gewandtheit im gegenseitigen Verwunden und mit der Geschicklichkeit des Ringkampfes, da&szlig; keiner von ihnen &uuml;ber den andern einen Vorteil hatte noch ihm eine t&ouml;dliche Verwundung zuf&uuml;gen konnte, eine lange Zeit hindurch.</p>
</div2>

<pb n="231"/>

<div2 type="sub-section" n="10">
<p>Hierauf aber ward jeder &uuml;ber den andern erz&uuml;rnt und erbost, und sie st&uuml;rmten hart, &uuml;berm&auml;&szlig;ig, wahnsinnig, und der Zweikampf ward beschleunigt, und das Gefecht wurde h&auml;rter, und sie packten die tief einschneidenden heldenm&auml;&szlig;igen gewaltigen Schwerter, und jeder schlug auf den andern zu mit sehr starken, w&uuml;tenden Vernichtungsstreichen.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="11">
<p>Hierauf erhob Nuada die Hand mit der langen, bl&auml;ulich geschliffenen Klinge und schlug nach dem Fu&szlig;e des K&ouml;nigssohnes von Lochlann. Der K&ouml;nigssohn von Lochlann fing den Hieb auf und ri&szlig; den Schild nieder zur Verteidigung seines unteren K&ouml;rpers. Und Nuada hob flink die Hand und schlug den K&ouml;nigssohn von Lochlann in das Schmale des K&ouml;rpers, in den Nacken, und trennte sein Haupt vom Nacken ab, so da&szlig; er entseelt niederfiel, und er ri&szlig; ihm seine k&ouml;nigliche wundersch&ouml;ne Kleidung ab und seinen goldnen, wunderbaren G&uuml;rtel und tat sich sowohl Kleidung wie G&uuml;rtel als auch Gewand selbst um und tat seine eigne R&uuml;stung unter den K&ouml;nigssohn von Lochlann. Und indem er seine Verletzungen und Wunden betrachtete, sprach er das Lied hier: 

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>Traurig ist es, J&uuml;ngling mit dem leuchtenden Haar,</l>
<l>der aus dem &uuml;ppigen Lochlann kam.</l>

<pb n="232"/>

<l>Rot sind deine beiden Seiten von deinem Blut,</l>
<l>durch die H&auml;nde des starken Nuada.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>W&auml;re es nicht dein stolzer Sinn gewesen</l>
<l>und was du vollbrachtest mit b&ouml;ser Rede,</l>
<l>ich h&auml;tte dich nie aus eigenem Antrieb get&ouml;tet,</l>
<l>bevor ich ins unbekannte Land zog.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Ich werde nun deinen purpurnen, edlen Schild tragen</l>
<l>und deinen Mantel mit Goldstreifen</l>
<l>und deine Tunika mit pr&auml;chtigem Purpur</l>
<l>und deinen G&uuml;rtel, du sch&ouml;ner J&uuml;ngling.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="4">
<l>Dein wohlgeformtes, goldenes Schwert</l>
<l>wird in des starken Nuada Faust sein,</l>
<l>dein Speer mit vergiftender Zauberrune</l>
<l>wird mich fortan ins fremde Land begleiten.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="5">
<l>Klagen werden die K&auml;mpen &uuml;ber jeden von uns beiden,</l>
<l>klagen werden die Helden der zwei Heere.</l>
<l>Sl&aacute;ine wird einen Tr&auml;nenschauer von ihren Wangen flie&szlig;en lassen;</l>
<l>eine gro&szlig;e Zahl Menschen wird dadurch betr&uuml;bt sein.</l>
</lg>
</body>
</text>
</p>
</div2>

<pb n="233"/>

<div2 type="sub-section" n="12">
<p>Und darauf begab sich Nuada weiter und wandte dem festen, sehr gro&szlig;en, grauen Felsen, in dessen N&auml;he er sich befand, den R&uuml;cken und baute einen au&szlig;erordentlich gro&szlig;en Wall aus dem Geh&ouml;lz rings herum und eine einzige T&uuml;r zu der Befestigung. Und er tat die R&uuml;stung und Bewaffnung der soeben get&ouml;teten Heerschar darum, so da&szlig; jener Wall f&uuml;r ihn eine vollst&auml;ndige Feste bildete. Soweit nun, was ihn betraf.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="13">
<p>Was nun den Krieger des K&ouml;nigssohnes von Lochlann betrifft, so machte er sich, nachdem er seinen Herrn hatte fallen sehen, im schnellsten Lauf auf und davon, bis er zur Flotte gelangte. Und sie wurden seiner ansichtig, wie er auf sie zustrebte. Und w&auml;re er Tag und Nacht in der Erde gewesen &mdash; seine Gestalt und Farbe h&auml;tte nicht elender sein k&ouml;nnen! Und ein jeder heischte Kunde von ihm. Er sprach zu ihnen: <q>Die gro&szlig;e Heerschar, die von euch fort zu Lande ging &mdash; von denen entkam kein Fl&uuml;chtling mit dem Leben &mdash; au&szlig;er mir allein. Und gefallen ist der Sohn des K&ouml;nigs von Lochlann!</q> <q>Wer hat jene gro&szlig;en Untaten begangen?</q> fragte der K&ouml;nig von Lochlann. 

<pb n="234"/>

<q>Ich wei&szlig; nur</q>, so sprach er, <q>da&szlig; es ein einzelner, junger, sch&ouml;ner, vornehmer J&uuml;ngling war. Und nicht gab es Schlachtgewimmel noch Heer um ihn, sondern ganz allein war er. Und der K&ouml;nigssohn, der treffliche Mann, fiel durch ihn.</q> Und diese Kunde schien ihnen wunderbar. Und sie h&auml;tten nicht gemeint, da&szlig; es so viele Menschen oder Waffen in Irland gegeben h&auml;tte, um jene Scharen t&ouml;ten zu k&ouml;nnen.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="14">
<p>Und sie stie&szlig;en rauhe, grausige Schreie aus und ganz laut hohe, gewaltige, m&auml;chtige Jammerlaute, und es wurden Trompeten und H&ouml;rner von ihnen geblasen, und einer erz&auml;hlte jenes Geschehnis dem andern, und der K&ouml;nig sprach zu ihnen: <q>Unternehmt nun</q>, sprach er, <q>einen gierigen, sehr heftigen Ansturm auf das Land.</q> Und so taten sie, so da&szlig; ihr Echo in den m&auml;chtigen, &ouml;den Abh&auml;ngen und Schluchthalden und Waldgehegen erklang, n&auml;mlich das Ruderschlagen der bemannten vollen, gro&szlig;en Schiffe, wie sie stark und machtvoll zu Lande zogen, und das L&auml;rmget&ouml;se der harten, eisernen Panzer und der Schildr&auml;nder der Schilde, wie sie aneinander prallten, und jeder, wie er seine Waffen ergriff; und alle gingen darauf zu Lande.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="15">
<p>Und der Krieger des K&ouml;nigssohnes von Lochlann sagte ihnen, sie sollten dort Aufenthalt nehmen und sich in 

<pb n="235"/>

Trupps auf die Insel begeben. Und <q>dies Land, in das ihr gekommen seid</q>, sagte er, <q>aus dem soll euch lebend kein Mann entkommen</q>.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="16">
<p>Sie taten also, und sie richteten sich sodann ein und erf&uuml;llten die H&auml;fen der ganzen Insel.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="17">
<p>Als der K&ouml;nig von Irland und der Adel seines Volkes das sah, beklagten sie jene schwierige Lage, in welcher sich der K&ouml;nigssohn von Irland befand. Der K&ouml;nig von Irland sprach: <q>Obgleich wir in kleiner Anzahl sind</q>, sagte er, <q>so ist's jammervoll, da&szlig; wir mit Nuada nicht &hellip; sind, denn das v&auml;terliche Gef&uuml;hl ist &uuml;ber meine Seele gekommen.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="18">
<p>Was nun die <corr sic="Lochlanleute" resp="Spo">Lochlannleute</corr> betrifft, so machten sie sich auf zu Nuadas Verfolgung. Und sie griffen ihn in so dicht gedr&auml;ngten Massen an, da&szlig; sie nicht ihre Waffen gebrauchen oder erheben konnten.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="19">
<p>Als Nuada das sah, erhob er sich flugs, rasch bereit und ergriff die Waffen des K&ouml;nigssohnes von Lochlann, und er kam in Erwartung der Schar heraus aus seinem festen Bau und gelangte unter sie und durch und &uuml;ber sie, und er beschleunigte die Hiebe, und es erhoben sich zwei gl&auml;nzende 

<pb n="236"/>

feurige S&auml;ulen vor seinem Antlitz, so da&szlig; es ihnen nicht m&ouml;glich war, auf ihn zu schauen, geschweige denn, ihn lange anzublicken. Und so gewaltig und rasch griff er sie an, da&szlig; er nach jeder Seite eine weite L&uuml;cke aus ihnen herausschlug. Er teilte und verwirrte sie und ging zu seinem festen Bau. Und darauf wurde er nicht mehr bedr&auml;ngt.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="20">
<p>Und also ging das, bis ein nebliger Sonnenuntergang am Abend eintrat und die Farbe von feuriger Asche &uuml;ber der Sonne lag. Und eine gro&szlig;e Menge der Heerschar war schon durch ihn bis dahin gefallen. <q>Gew&auml;hre uns eine n&auml;chtliche Ruhepause heute Nacht, Bursche</q>, sprach der K&ouml;nig von Lochlann. <q>Ich werde es tun</q>, sagte er, <q>und begebt euch in eure Schiffe; denn uns geh&ouml;rt das Inselland und euch das Meer, und ihr d&uuml;rft auf diesem Boden nicht bleiben.</q> <q>Das ist wirklich qualvoll</q>, sagten sie, <q>in unsern Schiften zu lagern und auf den Ruderb&auml;nken, und heute Nacht werden wir nicht diese Insel verlassen.</q> <q>Wenn ihr mir heute Nacht Nahrung oder Aufwartung bringt, will ich euch gew&auml;hren, an Land zu bleiben.</q> 

<pb n="237"/>

<q>Wir werden es tun</q>, sagten sie. <q>Dann also</q>, sagte Nuada, <q>bringt mir [Nahrung] und Getr&auml;nk.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="21">
<p>Einige von ihnen erhoben sich flink und brachten Nuada Nahrung und Trunk. Nuada sprach: <q>Kostet erst selbst jene Speisen und Getr&auml;nke</q>, sprach er. <q>Nat&uuml;rlich ist's, da&szlig; ich nicht wei&szlig;, ob es f&uuml;r mich vertrauensw&uuml;rdig ist.</q> Und sie taten also und begaben sich fort von ihm. Und er a&szlig; sich satt.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="22">
<p>Was nun die gro&szlig;e Schar hierauf betrifft, so wurden m&auml;chtig gro&szlig;e Feuer und Fackelbr&auml;nde von ihnen entz&uuml;ndet, und sie waren betr&uuml;bt und kleinm&uuml;tig, bis der Tag in vollem Lichte kam.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="23">
<p>Was aber den K&ouml;nig von Irland betrifft, so schickte er Botschafter und Kundschafter &uuml;ber ganz Irland vor sich aus, zur Versammlung und Auswahl gegen die Fremden, um seinem Sohne zu helfen und ihn aus der Not zu ziehen, in der er sich befand.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="24">
<p>Was nun die Kriegerschar von Lochlann betrifft, so erhoben sie sich tags darauf in aller Morgenfr&uuml;he. Sie ergriffen ihre Waffen und gingen aus, Nuada zu treffen. Nuada begab sich unter sie und bahnte sich breite, volle, gro&szlig;e 

<pb n="238"/>

Stra&szlig;en und L&uuml;cken von Hunderten durch sie nach allen Seiten hin. Er zerschmetterte Schilde und Brustpanzer und sch&ouml;n goldige Helme. Er zerhieb die sch&ouml;nen wei&szlig;h&auml;utigen Leiber der Helden und arbeitete also eine Zeitlang unter ihnen, bis eine gro&szlig;e Schar gefallen war. Dann wandte er sich von ihnen und ging in seine Feste. Dort war er eine kleine Weile, als die Heere wieder um ihn herum tobten. Nuada erhob sich gegen sie und unternahm einen heftigen, schnellen Angriff auf sie, so da&szlig; er sie &hellip; haufenweise v&ouml;llig tot zu Boden und auf die blanke Erde warf. So war er hiermit besch&auml;ftigt, sie gewaltig zu besiegen, bis die Mittagzeit des Tages kam.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="25">
<p>Also geschah es, da&szlig; Nuada eine blutige, vernichtende Entschlie&szlig;ung fa&szlig;te. Er gab ihnen sein Wort, er w&uuml;rde sich nicht von den Scharen wenden, bis er sie in ihre Schiffe gebracht h&auml;tte oder bis alles durch ihn fiel, oder er durch sie. Er wandte sein Antlitz wieder gegen sie, und eine st&uuml;rmische, verwirrende Niederlage kam &uuml;ber sie vor der K&ouml;nigsfeste von Lochlann, wo sie einen Wall und eine schwer zu besch&auml;digende Befestigung hatten um den &ouml;berk&ouml;nig von Lochlann. Nuada 

<pb n="239"/>

verfolgte sie bis zur Tor&ouml;ffnung des Walles und vernichtete sie vorne und r&uuml;ckw&auml;rts und nach allen Seiten. Er versetzte ihnen Stiche und Schnitte und zermalmende Wunden, so da&szlig; es f&uuml;r sie keinen Ort gab, wohin sie entfliehen und entrinnen konnten. Er war nicht lange bei diesem Herumrasen, als er bemerkte, wie sich der eine gro&szlig;e Kriegsheld ihm zuwandte, seine Knie vor ihm beugte und ihn um Schutz bat.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="26">
<p>Nuada fragte ihn nach Kunde. Und er erz&auml;hlte ihm, da&szlig; er vom Geschlechte &Emacr;rem&omacr;ns, M&imacr;l's Sohn sei, n&auml;mlich aus der Mitte der Provinz Genands, da&szlig; sein K&ouml;nig &uuml;ber ihn ein unsinniges Urteil ausgesprochen hatte und da&szlig; er mit ihm den Kampftag teilen w&uuml;rde. Nuada willigte darin ein. Er sagte sodann zu Nuada, er sollte den Wall &uuml;ber ihnen abschlie&szlig;en und die Tore festmachen und keinen von ihnen herauslassen, bis er seinen Willen von ihn erlangte.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="27">
<p>Nuada erhob sich dann und f&uuml;llte die Tore mit Felsen mit rauher Oberfl&auml;che aus und mit sehr gro&szlig;en Steinplatten, ganz starken Barren und sehr gro&szlig;en breitbohligen Balken, so da&szlig; es im ganzen Wall keine Stelle gab, die fester war und schwerer zu besch&auml;digen als die Tore.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="28">
<p>Nuada sagte darauf dem greisen Krieger, er solle ihm 

<pb n="240"/>

Bescheid sagen, wie er auf das Schiff des K&ouml;nigssohnes von Lochlann gelangen k&ouml;nne. Und der Held gab ihm die Auskunft. Und sie gingen hinein. Und zahlreich war nun die gro&szlig;e Masse an Sch&auml;tzen darin, sowohl an Gold wie Silber, an Waffen und Kleidung und an kostbaren Steinen. Sie verzehrten Speise und Getr&auml;nke darin, bis sie genug hatten. Und sie schliefen dort die Nacht durch bis zum Anfang des fr&uuml;h hellen Morgens vom n&auml;chsten Tage. Und dann gingen sie zum Heere und belagerten sie und verhandelten mit ihnen. Und bei jenen hatte gewaltiger Durst und gro&szlig;er Mangel an Nahrung und Getr&auml;nk um sich gegriffen, und sie hatten bei sich verwundete und verst&uuml;mmelte M&auml;nner. Und sie vergingen vor Schw&auml;che hinsterbend. Und sie flehten Nuada an. <q>J&uuml;ngling</q>, sprachen sie, <q>wirst du uns Friedensbedingungen gew&auml;hren? Denn, wahrhaftig, lieber w&auml;re uns, du triebst uns in den Tod, als der Zustand in diesem Elend hier!</q> <q>Ich werde euch Bedingungen auferlegen</q>, sagte er, <q>und gew&auml;hrt sie mir!</q> <q>Wir werden dir alles geben, was du w&uuml;nscht</q>, sprachen sie. <q>Habt ihr Gold und Sch&auml;tze und edles Gut bei euch zulande, um es mir zu geben?</q>

<pb n="241"/>

<q>Du wirst vollauf bekommen, was du bestimmen wirst</q> sagten sie. <q>Wenn ich in eure Heimat komme</q>, sprach er, <q>gebt es mir, und wenn nicht, mag es euch bleiben.</q> <q>Du wirst es erhalten</q>, sprachen sie. <q>Und Boote und Schiffe eines jeden, welchen von eurem Volk ich t&ouml;tete, sollt ihr mir geben, mit allem Guten darinnen an Waffen und Gewandung soll man mir geben.</q> <q>Du wirst es erhalten</q>, sagten sie, <q>und du w&uuml;rdest noch mehr erhalten, wenn du es w&uuml;nschtest.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="29">
<p>Nachdem Nuada diese &uuml;bereinkunft mit den Lochlann-M&auml;nnern getroffen hatte, lie&szlig; er sie hinaus, und sie hielten nicht an, bis sie in ihre Schiffe gekommen waren und dann ihre Segel gelichtet hatten. Sie durchfuhren das Meer nach der Erfolglosigkeit ihres Kampfes, erf&uuml;llt von ihrer Schw&auml;che und Schande.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="30">
<p>Was hiernach Nuada betrifft, so ging er ins Schiff des K&ouml;nigssohnes von Lochlann, und zusammen mit ihm sein Gefolgsmann. Und sie steuerten es hinaus. Und Nuada setzte sich auf die gro&szlig;e Mittelbank des Schiffes und ergriff mit 

<pb n="242"/>

jeder Hand ein Ruder, und ein flinkes Rudertreiben f&uuml;hrte sie vom irischen Lande fort. <q>Wir fahren nun fort</q>, sprach sein Gefolgsmann zu ihm. <q>Noch nicht</q>, sprach Nuada, <q>sondern, wenn es dir lieb w&auml;re, setze ich dich in Irland ab.</q> <q>Das gef&auml;llt mir aber nicht</q>, sprach jener, <q>denn du bist's dem ich folgen werde, solange ich lebe.</q> Und sie fuhren darauf hinaus &uuml;ber die H&ouml;henketten des Ozeans, Und er sprach das Lied hier: 

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>Nur ein Mann ist heute Abend in meiner Gefolgschaft.</l>
<l>Ich werde mit ihm von Hafen zu Hafen schweifen,</l>
<l>fern von Irland und Alba,</l>
<l>hinter jedem Fremden her.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>Der erlogenen Tat wegen, deren mich <corr sic="Uaine" resp="Spo">Uane</corr> beschuldigte,</l>
<l>ward ich weit fort von ihr verbannt.</l>
<l>Die Tochter des K&ouml;nigs von Leinster, so scheint es uns.</l>
<l>duldete nicht meine Anwesenheit in Irland.</l>
</lg>

<pb n="243"/>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>Bis man wei&szlig;, ob es L&uuml;ge oder wahr ist,</l>
<l>was mir mein Mi&szlig;geschick brachte,</l>
<l>werde ich die Frau nicht wiedersehen,</l>
<l>die mich fortgeschickt hat und den einen Mann.</l>
</lg>
</body>
</text>
</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="31">
<p>Was nun die M&auml;nner von Irland betrifft, so schien es ihnen sicher, da&szlig; Nuada tot war, als sie jene roten, sehr gro&szlig;en Schlachthaufen sahen, durcheinandergew&uuml;hlt. Und es verursachte ihnen Kummer und Tr&uuml;bsal, und sie wunderten sich &uuml;ber die riesigen Eichen(schiffe) mit Segelmast und die Abfahrt, die von ihnen vor sich ging. Und sie wu&szlig;ten nicht, was f&uuml;r eine Zurichtung darauf war. Sie waren dort die Nacht hindurch, bis der n&auml;chste Tag kam. Und sie bemerkten, wie sich Raben und Kr&auml;hen und Vogelscharen der Luft zahlreich auf den sch&ouml;nen, hellh&auml;utigen, hohen Leichen niederlie&szlig;en, in der Insel, auf den Schiffsr&auml;ndern. <q>Sicher</q>, sprachen sie, <q>es gibt keinen Menschen auf der Insel, noch in jenen Schiffen dort, wenn darin die V&ouml;gel und gefl&uuml;gelten Scharen sind. Auf! werfen wir uns in die kleinen Nachen, die wir haben, um die Insel auszukundschaften.</q></p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="32">
<p>Und sie taten also und gingen, die Insel zu durchforschen, 

<pb n="244"/>

und sie durchsuchten sie. Sie fanden das gewaltige Gemetzel und die blutroten Leichen. Sie fanden keine lebende Seele darin, noch in den Schiffen. Und da sie nichts fanden, gingen sie die Schiffe aufzusuchen und brachten davon eine gro&szlig;e Menge mit sich hinaus &uuml;bers Meer, zu dem gro&szlig;en Heerhaufen. Und sie erz&auml;hlten ihnen, wie es auf der Insel war. <q>Wir werden nun gehen, sie zu durchforschen</q>, sagten sie. Und sie machten sich nun auf und gingen in die Schiffe. Und sie landeten in der Bucht und Hafeneinfahrt der Insel. <q>Zerstreut euch nun nochmals &uuml;ber die Insel, und durchsucht sie</q>, sagte der K&ouml;nig von Irland, <q>nach der Person, die jene Taten vollbracht, n&auml;mlich mein Sohn. Und ich wei&szlig; wohl, hier gibt's von ihnen eine Menge Verst&uuml;mmelter und K&ouml;rper, die durchstochen sind, und mir scheint, er lebt nicht mehr.</q> Und er sang das Lied hier: 

<text type="poem">
<body>
<lg type="quatrain" n="1">
<l>Zahlreich sind die Heldentaten meines Sohnes,</l>
<l>er pflegte oft etwas Treffliches zu vollbringen.</l>
<l>Hart (w&auml;re es), wenn er hier gefallen w&auml;re,</l>
<l>nachdem er die Edlen Lochlanns get&ouml;tet hatte.</l>
</lg>

<pb n="245"/>

<lg type="quatrain" n="2">
<l>Eure H&auml;nde m&ouml;gen ihre Waffen ergreifen!</l>
<l>Tut um euch ihre erbeutete Ausr&uuml;stung!</l>
<l>Da&szlig; wir wissen, ob jene zahlreicher sind,</l>
<l>oder was durch ihn fiel von ihren Niedermetzelungen.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="3">
<l>La&szlig;t uns das Schlachtfeld selber durchsuchen</l>
<l>nach Nuada, dessen Verstand gro&szlig; war,</l>
<l>damit wir ihn mit uns bringen nach Brugh!</l>
<l>Geb&uuml;hrend w&auml;re es, ihn dort zu begraben.</l>
</lg>

<lg type="quatrain" n="4">
<l>Sucht hier, k&ouml;nigliche Pagen!</l>
<l>Ihr werdet erfahren, welches sein Ende ist.</l>
<l>Hier bei diesen (?) H&auml;fen,</l>
<l>in denen eine gro&szlig;e Zahl Leichen ist.</l>
</lg>
</body>
</text>
</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="33">
<p>Danach erhoben sich alle und gingen &uuml;ber die Insel hin. Sie durchsuchten sorgf&auml;ltig die Schlachtfelder, und sie wandten die sch&ouml;nen K&ouml;rper der Helden h&auml;ufig um, sie zu pr&uuml;fen. Und sie fanden den K&ouml;nigssohn von Lochlann, wie er get&ouml;tet war und ergriffen ihn sofort und sprachen: <q>Hier ist Nuada, den wir gesucht haben.</q> Und ein anderer meinte, 

<pb n="246"/>

da&szlig; er's nicht w&auml;re. Sie drehten den K&ouml;rper danach um und fanden den G&uuml;rtel des irischen K&ouml;nigssohnes und seinen h&uuml;bschen seidenen Leibrock um ihn. Und danach waren sie sicher, da&szlig; das Nuada war. Und die Kunde gelangte zum Irenk&ouml;nig.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="34">
<p>Und der K&ouml;nig mit den Edelleuten von Irland um sich herum gelangte zu dem Leichnam. Und die Heerscharen stie&szlig;en heulend drei rasche zornige Aufschreie &uuml;ber ihm aus. Es w&auml;re ihnen lieber gewesen, wenn die H&auml;lfte der M&auml;nner von Irland get&ouml;tet worden w&auml;re, als Nuada allein.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="35">
<p>Hierauf sprach der K&ouml;nig von Irland: <q>La&szlig;t uns umschauen</q>, sagte er, <q>wer mehr ist &mdash; wir, die hier lebendig sind, oder die Zahl, die mein Sohn an Lochlann-M&auml;nnern get&ouml;tet hat. Und ich meine doch, es ist hier eine ganz gro&szlig;e Menge irischer M&auml;nner versammelt.</q> Und sie taten also. Und nicht mehr als halb soviel von dem, was tot war, gab es an irischen M&auml;nnern, die da lebten &mdash; so gro&szlig; war das Blutbad <q>Das ist ein gro&szlig;es Handgemenge f&uuml;r einen einzigen Menschen, Krieger</q>, sprach der irische K&ouml;nig, <q>und es werden unter euch die Schiffe recht und billig verteilt, wie ihr die Waffen und Ausr&uuml;stung teiltet. Und hebt meinen Sohn auf (und bringt ihn) nach der bunten, lichten Burg am Boyne, 

<pb n="247"/>

damit er dort unter dem Erdwall beigesetzt werde. Und die Scharen ringsherum m&ouml;gen sich aufmachen, mit den Schiffen. Und ich will zusammen mit meinem Sohn gehen.</q> Und so geschah es.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="36">
<p>Und sie verlie&szlig;en darauf die Insel und nahmen den Leichnam mit nach dem Rasenplatz der Burg. Und die Kunde davon gelangte nach Tara und &uuml;ber ganz Irland. Und sie versammelten sich alle aus jeder Himmelsrichtung nach der Burg am Boyne. Es kam aber auch die einzige Tochter, die der Irenk&ouml;nig besa&szlig;, dorthin, n&auml;mlich Nuadas Schwester. Und sie kam sogleich und nahm Nuadas Haupt in ihren Scho&szlig; und hob sehr schwerm&uuml;tige Klagen an um ihn, weh und bitter. Und sie bat den Irenk&ouml;nig und alle irischen M&auml;nner, sie selbst mit ihm zu begraben.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="37">
<p>Darauf ward ein Rasengrab ausgeworfen f&uuml;r den J&uuml;ngling, und er ward sodann sanft niedergelegt. Und der K&ouml;nig kam auf die H&ouml;he des H&uuml;gels und begann eine Klage anzustimmen. Und dies sprach er: <q>Wehe uns, mein Sohn!</q> sprach er, <q>Unser Zorn und Hochmut traf ihn, dem dies Grab geh&ouml;rt.</q> Und er sprach das folgende Lied:<gap/></p>
</div2>

<pb n="248"/>
<div2 type="sub-section" n="38">
<p>Darauf zerstreuten sich die irischen M&auml;nner in ihre Festungen und in ihre trefflichen Heimst&auml;tten, und der K&ouml;nig von Irland ging nach Tara und seine Tochter mit ihm, und sie waren tr&uuml;bselig und niedergedr&uuml;ckt.</p>
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<div2 type="sub-section" n="39">
<p>Darauf kamen irische M&auml;nner, um den K&ouml;nig aufzusuchen und sagten ihm, er solle das Weib, das er genommen, die das gro&szlig;e &uuml;bel verschuldet, von sich weisen. <q>Nein</q>, sprach er, <q>auf da&szlig; es mir nicht an meiner Frau und meinem Sohn (zugleich) mangelt.</q> Und er schlug es ihnen ab, sie zu versto&szlig;en. Soweit das Geschick jener beiden.</p>
</div2>

<div2 type="sub-section" n="40">
<p>Was nun Nuada betrifft, (so ist zu berichten), wie er segelnd zu dem Lande kam, das D&auml;nemark genannt wird, und nach Spanien ging und zweitausendzehn Mann t&ouml;tete und mit Gro&szlig;k&ouml;nigen und S&ouml;ldnern k&auml;mpfte und die Tochter Eolargs zur Frau nahm, n&auml;mlich die d&auml;nische K&ouml;nigstochter, und wie er nach Deutschland ging und Polus ergriff, den Sohn des Polus, des deutschen K&ouml;nigs und seine drei&szlig;ig S&ouml;hne t&ouml;tete au&szlig;er einem allein, und wie er hierauf die Oberherrschaft &uuml;ber Deutschland &uuml;bernahm.</p>
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<div2 type="sub-section" n="41">
<p>Und er forderte darauf seine Heerscharen auf, sich am Meer zu versammeln und den r&ouml;mischen K&ouml;nig dabei. 

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Und sie folgten ihm alle untert&auml;nig nach Hause, nach Deutschland, und sie gaben ihm die Herrschaft. Und er nahm die ganze Schar mit sich nach Spanien. Und der spanische K&ouml;nig lie&szlig; ihn nicht ein, sondern kam ihm entgegen und unterwarf sich ihm. Und nach einem Jahr nahm er eine Kampfschar mit sich, um Irland aufzusuchen. Und der Irenk&ouml;nig kam zum Hafen, sich ihm zu unterwerfen und &hellip; sprach: <q>Bis wir wissen, wer euer Oberk&ouml;nig ist, werden wir euch keine Unterpf&auml;nder geben.</q> Und alle K&ouml;nige erwiderten: <q>Unter uns ist kaum einer, der es wei&szlig;</q>, sagten sie. <q>Ich werde mich selbst euch nennen</q>, sagte Nuada, <q>und ich werde euch meine wahre Geschichte erz&auml;hlen.</q> Und er sprach: <q>Ich bin Nuada Find Feimin und verlie&szlig; Irland vor meinem Vater.</q> Und er berichtete seine Erlebnisse von Anfang bis Ende, und er zog darauf in Irland ein. Und die irischen M&auml;nner fanden jene Geschichte wunderbar, und jeder hie&szlig; ihn willkommen, und jene L&auml;nder, die er auf Grund seiner Kraft und St&auml;rke erobert hatte, gehorchten ihm, und er ergriff sodann die K&ouml;nigsherrschaft.</p>
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</TEI.2>
